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Ich gebe gerne zu, dass ich besonders viel Spaß an internationalen Prüfungen habe, wenn deutsche Reiterinnen oder Reiter in Führung liegen.
Das ist heute der Fall und die Leistungen waren erstklassig, doch tut mir ein britischer Reiter heute besonders leid: Oliver Townend, nach der Dressur mit knappem Vorsprung in Führung, kam er gut und schnell bis über Sprung sechs, dort verlor sein Pferd Flint Curtis dann ein Eisen und eine Kurve später rutschte er über das "eisenlose" Bein weg und kam zu Fall. Nach internationalem Reglement bedeutet dies das Ende der Prüfung.
Ob er es geschafft hätte mindestens in der selben Zeit wie Frank Ostholt (Bild links) ins Ziel zu kommen bleibt ungeklärt. Klar allerdings ist, dass sich meistens Pech und Glück gleichmäßig auf alle Reiter verteilen und auch diejenigen, die nun vorne liegen, die andere Seite der Medaille kennen.
Es war keine leichte Aufgabe die Kursdesigner Rüdiger Schwarz zu bewältigen hatte, denn im letzten Moment kamen wegen des zahlenmäßig schwachen Nennungsergebnisses noch einige "Wildcard-Reiter" hinzu, die bisher etwas entfernt von der internationalen Leistungsspitze unterwegs waren.
Am Abend des Geländetages steht aber fest, nicht nur die deutschen Reiter waren spitze, auch Rüdiger Schwarz zählt zu den Siegern und hat mit seinem feinen Gespür für Geländekurse einen großen Beitrag zu einen spannenden und schönen Geländetag ohne schlimme Unfälle geliefert.
"Schon im Vorfeld des Geländetages waren sich die Topreiter darüber einig, dass der Geländekurs sehr schwer werden würde. Wäre Badminton ein CIC, dann müsste man das heutige Gelände als schwerer einstufen.
Viele Sprünge waren am Maximum und man musste ein sehr gut trainiertes Pferd unter dem Sattel haben weil auch die Sprünge viel Kraft kosteten. Die Hinderniskomplexe mussten sehr konzentriert angeritten werden und man verlor leicht Zeit, die man bei einem CIC nicht mehr aufholen kann", kommentiert Rüdiger Schwarz den gelungenen Geländeritt.
Innnerhalb der erlaubten Zeit schaffte es kein Paar ins Ziel. Michael Jung mit La Biosthetique Sam FBW (Bild rechts) kam dieser aber sehr nah und musste deshalb nur 0,8 Minuspunkte für Zeitüberschreitung verbuchen und liegt vor dem Springen auf Platz 2.
Aber nicht nur schnell war Michael Jung unterwegs, er war auch stilistisch wieder ein absoluter "Hingucker". Selbst vor den technischen Hinderniskomplexen reichte meist ein Aufrichten des Oberkörpers und Sam wurde ohne Tempoverlust und stets in idealer Distanz zum Absprungpunkt gebracht.
In der zweitschnellsten Zeit absolvierten Frank Ostholt und Air Jordan die Q-Strecke.
"Jojo wollte von Anfang an angreifen und selbst ganz am Ende ging er noch frisch nach vorne. Den Teilabschnitt im Stadion bin ich etwas langsamer geritten, weil es dort sehr rutschig war und ich gewarnt wurde," berichtet Frank überglücklich, denn er liegt nach dem heutigen Tag in Führung des CIC***-W-Finale und blickt dabei recht optimistisch in Richtung Springen, denn zuletzt absolvierte er sogar ein S-Springen mit Air Jordan, ist also bestens vorbereitet.
An dritter Stelle liegt zur Zeit Vorjahressieger Clayton Fredericks/AUS, dessen Ben Along Time zwar wieder sehr zuverlässig ging, dabei aber nicht die Qualität am Sprung zeigte wie beispielsweise Sam oder Air Jordan.
Richtig gekämpft hat Ruth Edge, die mit P.C.Wilson (Bild links) so garnicht in Rhytmus kommen wollte. Lohn für die britische Reiterin, die als Dressurspezialistin unter den Vielseitigkeitsreitern gilt und einen reiterlich starken Auftritt lieferte, ist Platz 4 nach Dressur und dem Gelände.
Andreas Dibowski im Sattel von Olympiapferd Euroridings Butts Leon gehörte ebenfalls zu den schnellsten des Tages und demonstrierte wie man schnell und in gutem Stil einen solch schweren Kurs absolviert.
Nur an Element B der Kombination 11a,b,c, einem Wallaufsprung mit großer Hecke im Anschluß und einem schmalen Element auf gebogener Linie, wurde es etwas weit. Butts Leon ließ sich aber nicht verunsichen und ging entschlossen und mit Vertrauen über den "Rest" der Strecke.
Auf Rang 5 (-44,8) liegend wird es wohl nicht mehr zum Sieg reichen, eine vordere Platzierung und die endgültige Nominierung zur EM scheinen aber sicher.
Auf Platz 6 folgt Marina Köhncke mit CIC***-W Malmö/SWE-Siegerin Calma Schelly. Auch sie zeigte einen solch stilistisch guten und schnellen Ritt, dass sie sogar in einem Interview von Lucinda Fredericks mit Vielseitigkeitslegende Ginny Leng verglichen wurde. Mit 49,2 Minuspunkten liegt sie gut und Bundestrainer Hans Melzer freut sich über ein weiteres Paar für eventuelle zukünftige Championatseinsätze.
Kai Rüder ist der fünfte deutsche Reiter unter den besten 10 und hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun im Gelände.
Sein Pferd, der französische Hengst Leprince des Bois hat zwar das Potential zum Weltpferd, ist aber so gehfreudig, dass er so früh vor den schwierigen Sprüngen zurück genommen werden muss, wie es sich zeitlich nicht mehr ausgleichen läßt.
Beeindruckend allerdings sind die reiterliche Leistung von Kai Rüder und das Geschick mit welchem sich der Hengst aus selbst verursachten Situationen fast mühelos rettet.
"Leprince des Bois ist ein Pferd für bergige und sehr lange Strecken. Es ist, glaube ich, genau die richtige Entscheidung ihn in diesem Jahr in Burghley an den Start zu bringen. Für flache und sehr technische Kurse ist er einfach noch zu kernig," kommentiert Hans Melzer den Auftritt von Power-Paket Leprince des Bois.
Pech hatte Dirk Schrade, der mit King Artus eine nahezu perfekte Runde ablieferte. Nur am Einsprung des Coffins stoppte King Artus, was sich Dirk nicht so recht erklären kann: "King Artus ging immer mal gerne vorbei. Das habe ich mittlerweile gut im Griff und auch die Dressur wurde deutlich besser. Gestoppt hat er bei mir noch nie. Nun bin ich vorgewarnt und das passiert mir bestimmt nicht noch einmal."
Wegen des Stopps und dem damit verbundenen Zeitverlustes liegt Dirk Schrade nun auf Platz 12 (-65,4).
Garnicht so schlecht und in angemessenem Tempo ging der siebte Deutsche, Robert Sirch, mit Ballymakenny das Gelände an. Leider hatte er aber an Sprung 9, einem mächtigen überbauten Graben einen Rumpler, was seinem Pferd wohl den "Schneid abkaufte".
Genauso wie Ruth Edge musste er mächtig kämpfen, kassierte noch eine Verweigerung brachte sein Pferd aber ins Ziel und sich auf Platz 21 (-112).
Nach der Dressur in toller Position und nach einem Stopp seines Pferdes Gandalf beim CIC***-W in Gatcombe/GBR vor zwei Wochen hoch motiviert, ging Mark Todd/NZL die Geländestrecke in hohem Tempo an.
An Sprung 20a zog Gandalf dann aber im letzten Moment die "Notbremse" und Mark Todd hattte keine Chance im Sattel zu bleiben. Auch für ihn war die Prüfung damit beendet.
Einen schönen und stimmungsvollen Abschluß der Geländeprüfung lieferte Dibo-Schüler und Lokalmatador Pawel Spisak/POL mit Weriusz (Bild rechts), der nach fehlefreier Runde auf Platz 7 (-51,9) liegt und noch auf eine Platzierung hoffen darf.
Bericht: Gabriel Kolb - Bilder: Kit Houghton - FEI
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