Anna Warnecke und Dirk Schrade beim CIC***-W in Gatcombe platziert

Auf der Website des Veranstalters kann man lesen, dass Mark Phillips, der für den Geländeaufbau verantwortlich war, es den Teilnehmern etwas leichter machen wollte in der erlaubten Zeit zu bleiben, bisher war das nämlich nur äußerst selten gelungen. Trotzdem wäre die Geländestrecke aber eines Championates, nämlich den Britischen Meisterschaften, und dem Weltcup würdig. Wenn man eine hohe Ausfallquote mit Championatswürdigkeit gleich stellt, dann ist dieser Punkt erfüllt worden, denn von 91 Paaren beendeten nur 53 die Prüfung, ein Pferd musste sogar erlöst werden, da es sich bei einem Sturz eine Schulterfraktur zuzog. Was die erlaubte Zeit anbelangt, so wurde diese auch 2009 nur von einer Reiterin unterboten. Nicola Wilson/GBR steuerte ihren Opposition Buzz einmal mehr als schnellstes Pferd über einen anspruchsvollen Kurs. Zusammen mit der Tatsache, dass sich ihre Dressur in den letzten zwei Jahren stark verbessert hat, bewies sie dadurch eindrucksvoll, dass sie zurecht als Einzelreiterin für die EM in Frankreich nominiert wurde.

Für verdutzte Gesichter sorgten Lucinda und Clayton Fredericks/AUS, denn beide lagen in sehr guten Positionen, Lucinda Fredericks (Headley Britannia) führte sogar nach Dressur und Springen, als sie vor dem Gelände zurückzogen. Die Frage nach dem "Warum" wurde dann später beantwortet: Wegen eines Embrio-Transfers sollte bei Headley Britannia kein Risiko eingegangen werden, bei Ben Along Time, dem Erfolgspferd von Clayton Fredericks, galt es ein solches zu vermeiden, damit einer erfolgreichen Titelverteidigung beim Weltcup-Finale in Polen nichts im Wege steht. Auch Mary King/GBR, die gemeinsam mit Lucinda Fredericks das Teilnehmerfeld anführte beendete die Prüfung nicht, jedenfalls nicht mit Top-Pferd Imperial Cavalier, allerdings war ihr "Aus" nicht freiwillig, sie schied aus nachdem sie bei Sprung 16 aus dem Sattel musste.

Für Anna Warnecke (Bild rechts) und Dirk Schrade lief es erfreulicherweise aber sehr gut im Gelände des CIC***-W Gatcombe. Beide ritten zwar nicht das "volle" Tempo, da es nach Dressur und Springen nicht um eine vordere Platzierung ging, blieben aber ohne Hindernisfehler und haben dadurch eine ideale Vorbereitung für das CCI**** in Burghley hinter sich.

Anna Warnecke hatte im Springen ein bisschen Pech, denn die Geländestrecke führte am Springplatz vorbei und Twikle Bee geriet durch die vorbei galoppierenden Pferde in "Cross-Country-Laune". Anna Warnecke: "Er war schwer zu reiten und unheimlich wild, deshalb auch die zwei Abwürfe. Schade, denn er ging in dieser Saison schon fünf oder sechs mal Doppel-Null." Mit der Leistung ihres Pferdes im Gelände war sie dann aber wieder voll und ganz zufrieden: "Bestimmt jeder zweite Sprung war technisch und es gab unheimlich viel zu springen. Twinkle Bee ging fantastisch und ich freue mich auf Burghley!" Nach dem schweren Sturz im vergangenen Jahr in Burghley haben Anna Warnecke und Twinkle Bee völlig unbeeindruckt bisher eine tolle Saison 2009 hingelegt. Auf die Frage, ob der Sturz sich mental bemerkbar gemacht hat antwortet sie: "Für Twinkle Bee war es so, als würde man auf einer nassen Treppe ausrutschen ohne etwas dafür zu können. Er ging von Anfang an wieder zuverlässig und mutig wie gewohnt. Damit kam für mich dann auch wieder das vertrauensvolle Gefühl zurück." Die Bilder des Sturzes hat sich Anna Warnecke übrigens bis heute noch nicht angesehen - Recht hat sie!

Bei Dirk Schrade (Archivbild links) lief es im Springen besser, er musste nur einen Abwurf hinnehmen, führt das aber ein wenig auf den Vorbereitungsplatz zurück, denn Be My Guest springt eigentlich sehr vorsichtig: "Der Abreiteplatz war so schlecht, da würde hier in Deutschland noch nicht einmal darauf getrabt. Zum Steilsprung ging es bergauf, zum Oxer dafür bergab." Aber auch bei ihm lief es dafür im Gelände umso besser. Als erster Starter eröffnete er die letzte Teilprüfung ohne Hindernisfehler. "Be My Guest ist sehr fit und ich hätte auch noch schneller reiten können. Mir war es aber dann wichtiger eine gute Vorbereitung für Burghley zu haben ohne Verletzungen zu riskieren. Das ständige bergauf und bergab war schon sehr belastend für die Pferde", ergänzt Dirk Schrade.

In Gatcombe wurden Anna Warnecke und Dirk Schrade übrigens von Bundestrainer Chris Bartle betreut und auch Rüdiger Schwarz war anwesend. Er nutzte die Gelegenheit um einen Eindruck vom Aufbau in Gatcombe zu erhalten und sich mit anderen, internationalen Größen der "Geländeaufbauer-Branche" auszutauschen.

Nicht nur wegen der hohen Zahl von Ausfällen, unter denen auch prominente Paare waren - auch William Fox-Pitt beendete mit keinem seiner zwei Pferde die Prüfung, ist die Leistung von Siegerin Ruth Edge sehr hoch zu bewerten. Noch immer hat sie ein wenig mit den Folgen ihres Sturzes in Luhmühlen zu tun (Rippenbruch), stürzte in Gatcome am Samstag in einer anderen Prüfung erneut und entschloss sich deshalb am Sonntag nach dem Springen, nur mit einem Pferd in das Gelände zu starten. Obwohl sie mit Mayem III besser lag, startete sie mit Two Thyme, weil der nicht so pullt. Es war eine waise Entscheidung, wie sich herausstellte, obwohl der Wallach in Gatcombe erst seine dritte Prüfung in diesem Jahr ging. Wie bereits erwähnt gewann sie die Weltcup-Prüfung und holte sich zum dritten mal den Titel der Britischen Meisterin.

Zum Weltcup-Turnier in Gatcombe gibt es weitere Berichte:

- 08.08./CIC***-W in Gatcombe nach dem zweiten Dressurtag
- 07.08./Vorbericht zum CIC***-W in Gatcombe und Nominierung zum WC-Finale

Einen Link zu den Ergebnissen finden Sie auf der rechten Seite!



Bericht: Gabriel Kolb - Bilder: Kit Houghton/FEI und Klaus Kurk

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