CCI**** nach dem Gelände: Oliver Townnend führt, Kai Rüder liegt an 11. Stelle

Anna Warnecke (Bild links über dem mächtigen "Waterloo Oxer"), die während der Saison in England lebt und trainiert, hat sich gegen eine Chance zur Teilnahme bei der EM entschieden, denn Sie ist berechtigterweise der Meinung, dass ihr Pferd Twinkle Bee bei Viersterne-Prüfungen ein "Wörtchen mitreden" kann, bei einem Stern weniger entscheidet sich für das irische Pferd hingegen zu wenig im Gelände und die Dressur fällt mehr in das Gewicht.

Eindrucksvoll hat sie am gestrigen Samstag in Burghley bewiesen, was sie damit meint und zeigte eine der schönsten Ritte des Tages. In gleichmäßigem Tempo, auch über die Sprünge den Rhytmus erhaltend und stets mit viel Überblick verpasste sie nur um eine Sekunde die erlaubte Zeit und verbesserte sich um 32 Plätze auf Rang 8.

Am Sonntagvormittag dann die schlechte Nachricht: Twinkle Bee hat sich während des Geländerittes selbst getreten und mit einem Stollen verletzt. Er wird das Springen nicht absolvieren können, bleibende Schäden sind aber wohl nicht zu befürchten. Zwar kann man Anna das schöne Erlebnis des gelungenen Geländerittes nicht mehr nehmen, die Enttäuschung ist aber verständlicherweise riesig.

Nicht den schönsten Ritt des Tages aber trotzdem aller größte Bewunderung wert war der Auftritt von Kai Rüder und Leprince des Bois. Im Vorfeld erklärte Bundestrainer Hans Melzer, dass der französische Hengst eher für lange und bergige Strecken geeignet ist, da er dazu neigt gegen die Sprünge zu stürmen und trotz der geschickten Bemühungen seines Reiters Kai Rüder nicht selten in Situationen gerät, aus denen nur das gewaltige Vermögen und Geschick noch helfen können. Wie bergig und wie lang, das beschrieb Hans Melzer aber nicht genau und wer den Geländeritt der Beiden in Burghley beobachten konnte, musste zu dem Schluss kommen, dass es ruhig noch ein bisschen bergiger und länger hätte sein können. Einige Male kam Leprince des Bois sehr dicht an die Sprünge, weil eigentlich generell die Distanzen für den "Kraftprotz" zu eng sind und auch an den letzten Sprüngen verlor Kai Rüder noch ein paar Sekunden, da er deutlich gegen den Wunsch seines Pferdes das Tempo etwas ruhiger gestalten wollte. Mit verständlichen 13,6 Minuspunkten für Zeitüberschreitung absolvierte Kai Rüder das schwere Gelände ohne Hindrnisfehler und liegt vor dem Springen auf dem hervorragenden 11. Platz.

Nach dem Geländetag in Führung liegt Oliver Townend/GBR mit Carousel Quest (-43,0) / (Bild rechts). An der "Landrover Diary Farm" hatte er Glück, als sein Pferd aus der Ballance und er selbst erheblich in "Schieflage" geriet, ansonsten war der Ritt aber sehr sicher, schnell und geschickt angelegt.

Mark Phillips ist mit dem 2009'er Geländekurs eine gute Strecke gelungen. Es hat sich wie gewohnt einiges im Gelände verändert, auf der anderen Seite kam es aber zu keinen schlimmen Stürzen. Überhaupt stürzte nur ein Pferd und dafür kann der Geländeaufbauer nichts, vielmehr haben in diesem Fall mehrere Hindernisrichter und Stuarts total versagt, ganz zu schweigen vom Reiter selbst: Harry Meade war mit dem großrahmigen Dungauer als 16. Starter im Gelände unterwegs und das Pferd zeigte bereits an der Hindernisfolge 13 a/b, dem "HSBC Maltings Branch", dass es ihm an Frische fehlt. Am ersten Element der "Landrover Diary Farm" (16 a/b) brach der Wallach im letzten Moment den Sprung ab, als die Vorderbeine bereits in der Luft waren. Harry Meade begab sich nun auf die Suche nach dem Alternativ-Weg, was zwischenzeitlich so ausah, als wolle er aufgeben. Dies wurde spontan mit Beifall der Zuschauer belohnt, stellte sich aber leider als falsch heraus, denn der Reiter fand tatsächlich noch den Weg und setzte die Reise fort. Bereits hier reagierten die Hindernisrichter nicht, was stark verwundert. Ein paar Sprünge später an "Capability's Classic" (19 a/b) wählte Harry Meade die Alternative zu Element B, es gelang ihm aber leider nicht sein Pferd im Galopp zu halten. Er brach das Anreiten ab, auch dieses Mal wurde dies als Aufgeben gewertet und mit Beifall quittiert, auch diesmal war diese Einschätzung des Publikums falsch, denn der Reiter ritt ein weiteres Mal an. Der ehrliche Dunauger sprang auch tatsächlich ab, hatte aber nicht genug Kraft um ganz "rüber" zu kommen. Er landete mitten auf dem Sprung, einer Ecke, und musste aus seiner Lage von dem Bautrupp befreit und anschließend tierärztlich versorgt werden Warum auch hier kein Offizieller reagiert und den Reiter angehalten hat ist völlig unverständlich und versetzt den Betrachter um Jahrzehnte zurück, als man das Weiterreiten mit erschöpften Pferden noch als britische Tradition (Hunting Home) entschuldigte.



Bericht: Gabriel Kolb - Bilder: Kit Houghton/Land Rover Burghley Horse Trials

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